Newsletter

38 // M Clara Wildberger

Ausgangspunkt für Clara Wildbergers Videoarbeit ist ihr eigener Körper: Zitternde Impulse erzeugen subtile, in ihrem merkwürdigen Ausdruck kaum deutbare Bewegungen. Sie scheinen sich in kein Narrativ zu fügen und keine sich wiederholenden Muster sind erkennbar. Wildberger arbeitet sich an der Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit ab. Dabei werden Funktionalität und Beweglichkeit verhandelt. Vermeintliche Defizite der körperlichen Möglichkeiten werden zu Werkzeugen der Selbstermächtigung. Die Bewegungen verlaufen an der Grenze zwischen zuckender Selbstkontrolle und vibrierendem Loslassen. Sie wirken befremdlich, entrückt und lassen sich nicht als nachvollziehbare Handlungen einordnen. Wildbergers Körpersprache richtet sich weder nach einer konformen Körperästhetik noch nach allgemeingültiger Sinnhaftigkeit. Ihr Äußeres scheint zurückgenommen: schwarze, lockere Kleidung und ein nicht zuzuordnender Gesichtsausdruck. Sie wirkt konzentriert und gelöst zugleich. Die Videoarbeit lässt sich als Versuchsanordnung verstehen: Welche Möglichkeitsräume entstehen, wenn sich der Körper von genormten Bewegungsabläufen abwendet? Welche Bewältigungsstrategien bietet das Befremdliche?
Text: Elisabeth Stecker

The starting point for Clara Wildberger’s video work is her own body. Trembling impulses produce subtle movements whose strange expression makes them scarcely interpretable. They don’t seem to fit into any narrative and no recurring patterns are discernible. Wildberger investigates the perception of her own corporeality. In doing so, she engages with functionality and mobility. Supposed physical deficits become tools for self-empowerment. The movements progress at the interface between twitching self-control and vibrating letting go. They are bewildering, seem otherworldly, cannot be traced as actions. Wilderberger’s body language is neither in line with any physical aesthetic nor is it  meaningful in a universally accepted way. Her outward appearance seems withdrawn: black, loose clothing and an indefinable facial expression, which seems to be simultaneously concentrated and detached. The video work can be regarded as an experimental arrangement: What realms of possibility emerge when the body eschews standardized motion sequences? What coping strategies does the peculiar offer?

 

Im Rahmen des steirischen herbst 2018

Clara Wildberger (*1989), künstlerische Fotografin und Gestalterin
Seit 2018 für die Sparte Fotografie des Programmforums des Forum Stadtpark Graz verantwortlich, Studium Informationsdesign an der FH Joanneum Graz, Gestalterin für Projekte in den Bereichen der freien Szene, Kultur und Wissenschaft. Ihre künstlerischen Arbeiten thematisieren Genderpositionen, kulturelle Diversität und die Vielfältigkeit von Lebensweisen in Bezug auf das eigene Umfeld.
Gruppenausstellungen und Publikationen, u.a.: Salzburgmuseum, Fotohof Edition, Kunstraum Niederösterreich, < rotor > Zentrum für zeitgenössische Kunst, Bitume Photofest (IT), Fotofilmic (CA, USA, KOR), Month of Photography Los Angeles (USA), Platoon Kunsthalle Berlin (DE)

Dank an die Mitwirkenden und für die Gespräche: Michael, Lisa, Ana, Jakob, Alberica, David, Lena, Enrico, Jo, Arne, Katja, Patrick, Elmar, Marta, Petra.

www.clarawildberger.at
www.steirischerherbst.at